Kennzeichnung der Trasse
Die Kabeltrasse wird zunächst mit Pflöcken gekennzeichnet. Danach beginnt auf Teilen der Trasse das Auslegen von Wegeplatten.
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Für die Energiewende braucht es ein starkes und zukunftsfähiges Verteilnetz. Wird eine neue Leitung im Hochspannungsnetz geplant, prüft das Bayernwerk, ob diese als Freileitung oder als Erdkabel gebaut werden soll.
Beim Neubau hat gemäß den Bestimmungen des Energiewirtschaftsgesetzes eine Erdkabelleitung gegenüber einer Freileitung Vorrang – außer diese wäre mehr 2,75-mal so teuer wie eine Freileitung.
Wie geht das Bayernwerk bei Erdkabelprojekten im Einzelnen vor? Machen Sie sich ein Bild davon, wie wir neue Erdkabelleitungen im Hochspannungsnetz planen und bauen – und erfahren Sie mehr über unsere aktuellen Projekte im Bayernwerk-Netz.
Wenn eine neue Kabelleitung gebaut werden soll, beantragt das Bayernwerk in der Regel dafür eine Genehmigung gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz. Ziel dieses Genehmigungsverfahrens ist es, die von den Planungen des Projekts berührten öffentlichen und privaten Interessen abzuwägen und sie bei der Entscheidung für die Baumaßnahme einfließen zu lassen.
Das Ergebnis eines Planfeststellungsverfahrens, der Planfeststellungsbeschluss, hat alle Belange wie privates Eigentum, Landwirtschaft und Naturschutz abzuwägen und sowohl die Argumente für als auch gegen das Bauvorhaben zu berücksichtigen.
Das Planfeststellungsverfahren bietet den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv und frühzeitig am Planungsprozess zu beteiligen. Zuständig für die Genehmigung von Hochspannungs-Erdkabeln ist in Bayern die jeweilige Bezirksregierung.
Baugrunduntersuchungen helfen dabei, den am besten geeigneten Verlauf für ein neues Erdkabel zu finden, das am besten geeignete Bauverfahren zu ermitteln und ein Konzept für den Bodenschutz zu erstellen.
Mit Hilfe kleiner Geräte beproben Fachfirmen im Auftrag des Bayernwerks den Untergrund an ausgewählten Punkten. Um den Aufbau des Untergrunds besser bewerten zu können, werden Bodenproben entnommen.
Bei der Planung des Trassenverlaufs einer neuen Erdkabelleitung achtet das Bayernwerk auf den umsichtigen Umgang mit Tieren und Pflanzen im Planungsraum. Die Kabelbaustelle stellt einen Eingriff in den Lebensraum verschiedener Arten dar und wird deshalb sorgfältig im Voraus geplant.
Um zu erheben, welche Arten im Planungsraum vorkommen und welche Flächen aus naturschutzfachlicher Sicht besonders schützenswert sind, beauftragt das Bayernwerk Fachfirmen mit Bestandserhebungen, sogenannten Kartierungen.
Für jede Kabelbaustelle erstellt das Bayernwerk bereits im Zuge der Leitungsplanung ein detailliertes Konzept mit Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen für unvermeidbare Eingriffe.
So kann es zum Beispiel erforderlich sein, Ausweich-Lebensräume wie Blühflächen oder Feldlerchenfenster im Umfeld der geplanten Kabeltrasse anzulegen. Für die ökologische Baubegleitung beauftragt das Bayernwerk eine Fachfirma.
Im Zuge der Trassierung werden Luftbilder ausgewertet. Falls bei dieser Luftbildauswertung ein Befund festgestellt wird, stellen Experten noch vor Einsatz der Bagger sicher, dass diese nicht auf Kampfmittel wie alte Blindgänger treffen. Die oberste Bodenschicht, der Mutterboden, wird vorsichtig abgetragen und entlang der Kabeltrasse gelagert.
Falls es auf der Strecke sogenannte Verdachtsflächen gibt – also Flächen, auf denen man historisch wertvolle Funde oder Bodendenkmäler vermutet – haben im Zuge des Oberbodenabtrags auch Archäologen ihren Einsatz. So soll die Beschädigung eventueller Funde oder Bodendenkmäler bei den Bauarbeiten vermieden werden.
Während die Leiterseile bei Freileitungen an Masten hängen, verschwinden sie bei Erdkabelleitungen im Boden. 110-kV-Erdkabel weisen unterschiedliche Schichten auf und haben in der Regel einen Durchmesser von neun bis 13 Zentimetern.
Für eine Hochspannungs-Kabelleitung werden in der Regel zwei Bündel mit je drei Kabeln unterirdisch verlegt. Ein zusätzliches Nachrichtenkabel dient der internen Informationsübertragung. Im ersten Schritt werden dafür zunächst Leerrohre in einer Tiefe von rund 1,75 Metern in den Boden
eingebracht. Wenn sie wieder vom Erdreich überdeckt sind, werden die Stromkabel abschnittsweise
in die Rohre eingezogen.
Für das Einbringen der Leerrohre in den Boden kommen unterschiedliche Bauverfahren zum Einsatz – je nach Bodenbeschaffenheit, Hanglage und vorhandenen kreuzenden Infrastrukturen sind das Spül- oder Pressbohrungen, das Pflugverfahren oder die offene Bauweise.
Wo Gewässer oder besonders schützenswerte Flächen, aber auch Straßen, Gas- oder Wasserleitungen gequert werden müssen, kommt die Horizontal-Spülbohrung zur Rohrverlegung zum Einsatz. Mit diesem gesteuerten Verfahren können Rohre auch in größeren Tiefen verlegt werden, ohne dass dazu ein Graben ausgehoben werden muss.
Das Spülbohrgerät bohrt einen unterirdischen Kanal, weitet diesen auf und bringt im Rückzug das Leerrohr ein.
Bei kürzeren Kreuzungsstellen und geringen Tiefen kommt manchmal auch das Pressbohrverfahren zum Einsatz. Dabei wird ein Stahlrohr aus einer Startgrube durch den Boden zu einer Zielgrube gepresst. Die Kunststoff-Leerrohre für das Stromkabel werden in die Stahlrohre eingebracht.
Eine weitere Möglichkeit der Leerrohr-Verlegung ist das Pflügen. Je nach Bodenbeschaffenheit wird zuvor die oberste, dünne Bodenschicht mit Baggern abgetragen. In diesem Bereich wird dann ein Pflug entlang der Leitungstrasse gezogen, der mit einem Pflugschwert die Rohre direkt in den Boden einbringt. Dafür muss kein Graben ausgehoben werden.
Je nach Beschaffenheit des Bodens entsteht über den Rohren eine Aufhäufung des verdrängten Erdreichs. Ein Bagger drückt den Aufwurf in einem weiteren Arbeitsschritt wieder an.
Bei der offenen Bauweise hebt ein Bagger den Kabelgraben aus, in den die Leerrohre für die Stromkabel und das Nachrichtenkabel platziert werden. Anschließend befüllt der Bagger den Graben wieder mit dem Aushub, der zwischenzeitlich neben dem offenen Graben lagert.
Wenn die Rohranlage fertiggestellt ist, bringen LKW die Stromkabel auf großen Spulen zu den Plätzen, von denen aus die Kabel eingebracht werden. Die Teilstücke sind jeweils rund 700 bis 1.200 Meter lang. Zugmaschinen ziehen sie in die Leerrohre ein.
Um sie miteinander zu verbinden, werden die Kabelenden bis zum stromführenden Leiter abgeschält, zusammengeklemmt und mit einem gemeinsamen Schutzmantel versehen. Solche Kabelverbindungen heißen Muffen. Bei der Montage wird zum Schutz vor Nässe und Schmutz in einer Einhausung im Kabelgraben gearbeitet, dem sogenannten Muffenverbau.
Besondere Muffen sind die Crossbonding- Muffen. Aus technischen Gründen ist es bei längeren Kabelstrecken nötig, die Kabelschirme in regelmäßigen Abständen von ein bis maximal drei Kilometern mit Hilfe von Crossbonding-Muffen zu kreuzen. Die Muffen sind dazu mit oberirdischen Schaltschränken aus Kunststoff, Metall oder Beton verbunden.
Mit Fortschreiten der Wanderbaustelle werden nicht mehr benötigte Baustraßen zurückgebaut und der Oberboden wird wieder aufgebracht. Besonderes Augenmerk liegt auf dem schonenden Umgang mit dem Boden.
Landwirtschaftliche Flächen, unter denen die neue Kabelleitung verläuft, können wieder genutzt werden. Die Behandlung der Erde oberhalb der Kabelleitung mit Geräten wie Pflug, Grubber oder anderen Bodenlockerern ist uneingeschränkt möglich. Die Schutzzone direkt oberhalb der Leitung muss von tiefwurzelnden Gehölzen frei bleiben und kann nicht mit Gebäuden oder Fundament bebaut werden, damit die Leitung für Wartungsarbeiten zugänglich bleibt.
Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Flächen wiederhergestellt. Ziel ist, die beanspruchten Flächen möglichst wieder in ihren Ausgangszustand zu bringen. Dazu gehört etwa das Nachpflanzen von entfernten Gehölzen oder die Ansaat von regionalem Saatgut auf den beanspruchten Arbeitsflächen.