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Redispatch 2.0 – die Netzzukunft beginnt jetzt

Redispatch 2.0 – die Netzzukunft beginnt jetzt
Foto: stock.adobe.com – Georg

Seit einem knappen Jahr wird Redispatch 2.0, das erweiterte Redispatch-Modell, umgesetzt. Das deutschlandweit einheitliche Engpassmanagement, das alle Marktakteure, alle Netzebenen und vor allem auch die Erneuerbaren-Energien-Anlagen ab einer bestimmten Größe mit einbezieht, ist ein weiterer wichtiger Schritt in die klimaneutrale Energiezukunft unseres Landes. Ein Rückblick auf die ersten Monate.

Redispatch und Redispatch 2.0 – was hat sich geändert?

Ganz allgemein versteht man unter Redispatch Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um Engpässe im Stromnetz zu verhindern oder zu beheben. Vor Oktober 2021 war das Engpassmanagement Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber, zum Beispiel der TenneT. Sie regelten die Leistungen ab, und zwar allein die konventioneller Kraftwerke.

Mit dem neuen Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG 2.0), das seit Mai 2019 gilt, ist das Instrument des Redispatch neu aufgelegt worden. Unter dem erweiterten Modell Redispatch 2.0 sind seit 1. Oktober 2021 auch alle rund 875 Verteilnetzbetreiber sowie alle wesentlichen Energieanlagen, also auch Erneuerbare-Energien-Anlagen, am Engpassmanagement beteiligt.

Welche Anlagen genau sind involviert?

Die Teilnahme am Redispatch 2.0 ist verpflichtend und zwar für

  • konventionelle Anlagen – wie bisher auch
  • Erneuerbare-Energien-Anlagen aller Erzeugungstechnologien ab einer installierten Leistung von 100 Kilowatt (kW)
  • alle Erneuerbare-Energien-Anlagen aller Erzeugungstechnologien, also auch die unter 100 kW installierter Leistung, die Netzbetreiber wie das Bayernwerk fernsteuern können.

Warum ist Redispatch 2.0 so wichtig?

Wie in alle Verteilnetze – ob Mittel- oder Niederspannung – kommt auch ins Bayernwerk-Netz immer mehr erneuerbarer Strom aus immer mehr Anlagen. Das ist gut, weil das Bayernwerk damit den Ausbauzielen näherkommt und es unabhängiger von anderen, weniger klimafreundlichen Erzeugungsanlagen macht.

Die Herausforderung dabei: Gehörte es früher zu den Hauptaufgaben von Verteilnetzbetreibern wie dem Bayerwerk, Strom aus Großkraftwerken auf die unteren Netzebenen und anschließend in die Haushalte zu verteilen, ist heute die umgekehrte Richtung bestimmend: Immer mehr dezentral erzeugter Strom muss aus dem Nieder- und Mittelspannungsnetz dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Mitunter ein Stresstest für das Netz, das für die Einspeisemengen und vielen Einspeisepunkte noch weiter fit gemacht werden muss.

Bis für die volatile Erzeugung aus Windkraft- und Solaranlagen die Netze noch leistungsstärker und flexibler ausgebaut sind, stellt das Bayernwerk den reibungslosen Netzbetrieb durch die Redispatch-Maßnahmen sicher. Das heißt konkret: Droht das Netz durch zu hohe Stromeinspeisung an einer einzelnen Stelle zu überlasten, sichert das Bayernwerk die Stabilität des Netzes, indem Anlagen vom Netz genommen werden. Gleichzeitig wird die nun fehlende Stromeinspeisung an anderer Stelle im Stromnetz erzeugt, sodass trotzdem immer Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben.

Redispatch 2.0 gibt Netzbetreibern hier ein besonders effizientes Instrumentarium an die Hand, weil erstmals neben konventionellen Anlagen auch Erneuerbare-Energien-Anlagen in die Steuerungsmaßnahmen einbezogen werden können. Damit können wir als Bayernwerk noch schneller, noch besser und noch punktgenauer auf Engpässe reagieren und die Stromversorgung noch sicherer machen.

Finanzieller Ausgleich

Wichtig für alle Anlagenbetreiber, die neuerdings im Rahmen einer Redispatch-2.0-Maßnahme ihren Strom nicht einspeisen können, ist finanzielle Sicherheit. Und hier ist die Sachlage eindeutig: Anlagenbetreiber haben durch die Redispatch 2.0 keine finanziellen Nachteile.

Wenn das Bayernwerk eine Erzeugungsanlage abregelt, um Überlastungen zu vermeiden und um eine sichere Stromversorgung für alle Kunden aufrechtzuerhalten, ist es als Netzbetreiber zum finanziellen Ausgleich verpflichtet.

Die Entschädigungsprozesse unter den Marktakteuren sind neu geregelt. Entscheidend für Anlagenbetreiber ist hier: Im Direktvermarktungsmodell entschädigt der Direktvermarkter den Anlagenbetreiber für die sogenannte Ausfallarbeit. Der Netzbetreiber kommt in diesem Modell nur noch für die Marktprämie auf. Bei Anlagen mit einer festen EEG-Vergütung entschädigt das Bayernwerk als Netzbetreiber wie bisher direkt den Anlagenbetreiber.

Redispatch 2.0 – Rückblick auf das erste Jahr

Redispatch 2.0 ist gut und wichtig – und stellt zugleich alle Akteure vor neue Herausforderungen. So kommt auf die Betreiber fernsteuerbarer Erneurbare-Energien (EE)-Anlagen und EE-Anlagen ab 100 kW erheblicher Mehraufwand zu. Denn sie sind seit Oktober 2021 verpflichtet, einen Einsatzverantwortlichen zu bestimmen, der die erzeugungs- und netzrelevanten Daten über eine Datenaustauschplattform meldet.

Aber auch für die Bestimmung der Ausfallarbeit gibt es neue Vorgaben und Prozesse, die aktuell noch geschärft und optimiert werden müssen. Das Bayernwerk arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Auszahlung der noch ausstehenden Entschädigungen. Wenn sich die Prozesse eingespielt haben, werden Anlagenbetreiber Entschädigungen für Redispatch-Maßnahmen im Folgemonat erhalten.

Ausblick

Redispatch 2.0 ist aktuell ein gutes und wirkungsvolles Instrument, Netzengpässe zu vermeiden oder schnell zu beheben. Langfristig ist es das Ziel des Bayernwerks, das Netz weiter auszubauen, es noch intelligenter zu machen und Innovationen konsequent voranzutreiben – damit beides erreicht wird: die Ausbauziele der Bundesregierung für eine unabhängige, klimafreundliche Versorgung bis 2030 und den sicheren und stabilen Netzbetrieb für eine zuverlässige Versorgung der Verbraucher im Netzgebiet des Bayernwerks aufrechtzuerhalten.